Co-Regulation - überlebenswichtig für unsere Kinder und nährend für uns Selbst.

Das Konzept hinter dem Co-Regulation begegnete mir bereits während der Schwangerschaft meines ersten Kindes. Dort erfasste ich schnell, dass Baby ab dem ersten Atemzug darauf angewiesen sind, sich über die Bezugsperson emotional regulieren zu können, um im weiteren Entwicklungsprozess zu lernen sich selbst zu regulieren. Ich verstand, dass die nonverbale Kommunikation, wie wir mit dem kleinen Lebewesen umgehen dabei von zentraler Bedeutung ist. Das hatte ich kognitiv verstanden. Das dies jedoch eng mit dem eigenen Nervensystem gekoppelt ist, war mir nicht bekannt. Erst durch die Auseinandersetzung mit der Polyvagaltheorie bekam ich diesen “missing link” zu verstehen, dass es in unserer Biologie liegt, wie sich ein Baby oder auch älteres Kind durch uns co-regulieren kann. Ein Beispiel: Das Kind weint, weil es sich unwohl fühlt, wir schliessen es in die Arme und geben dem Kind mit einem warmen und ruhigen Blick das Gefühl, dass es ok ist, dass ich weint und ich für das Kind da bin. Diese weichen Gesichtszüge werden durch den Vagus-nerv initiiert, welcher der grösste Nerv des parasympathischen Systems ist und einen wichtigen Teil des autonomen Nervensystems ausmacht.

Co-Regulation, autonomes Nervensystem, Mutter und Kind

Die Mutter co-reguliert das Kind. Quelle: unsplash

Es war mir schon immer wichtig meine Kinder emotional so zu begleiten, dass sie sich durch mich co-regulieren können. Was ich aber nicht so im Fokus hatte, war, dass ja auch ich mich als erwachsene Frau über andere Personen co-reguliere. Auch wenn ich es gelernt habe im Laufe der Zeit mich selbst zu regulieren, war es mir lange Zeit gar nicht bewusst, um die Bedeutsamkeit der Co-Regulation im Dasein mit Freundinnen oder anderen Kollegen. Deb Dana beschrieb es folgendermassen.

Bis zum letzten Atemzug haben wir das Bedürfnis nach Sicherheit und Verbundenheit. Die Co-Regulation, die besagt, dass sich die Nervensysteme verschiedener Menschen gegenseitig beeinflussen und regulieren können - ist dabei von zentraler Bedeutung, zuerst für das Überleben unserer Art und danach für das Leben, das uns Wohlbefinden fördert.
— aus dem Buch "der Vagus-Nerv als innerer Anker
Co-Regulation mit anderen Menschen

Co-Regulation durch gute Freunde. Quelle: Unsplash

Und was machen wir nun mit dieser Information?

Wir können dies konkret nutzen. Wenn wir uns nicht so wohlig fühlen, können wir uns von Menschen umgeben, die unserem Nervensystem gut tun. Bei denen wir uns sicher und geborgen fühlen. Und wir einfach so sein können, wie wir sind mit all unseren Macken und Kanten. Viele von uns machen das schon unbewusst - sich an einen engen Freund oder Freundin wenden, wenn es uns nicht gut geht. Aber zu wissen, dass dies ein konkretes Tool sein kann, v.a. im Mami- und Papi-Dasein finde ich sehr wertvoll. Denn dies können wir wunderbar auch mit unseren Kindern machen - Freunde treffen bzw. sich Raum schaffen, um mit der engen Freundin allein Zeit zu verbringen. Auf der anderen Seite soll es auch einen Anstoss geben zu hinterfragen, welche Personen tun denn eigentlich meinem Nervensystem gut? Mit wem kann ich mich entspannen? Wo kann ich mich verletzlich zeigen? Bei wem hänge ich im Flimmerzustand? Dies zu hinterfragen bringt Klarheit und nährt das Nervenystem insofern wir passende Entscheidungen treffen mit wem wir unsere Zeit verbringen wollen. Ich denke, das ist ein Puzzleteilchen, um gestärkt durch diese intensive Phase des Lebens zu schreiten.

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