FREI.Sein bedeutet SICHER.Sein

Der Einfluss des Autonomen Nervensystems auf das Erleben von Sicherheit und Verbundenheit. Im Fokus der Polyvagaltheorie steht die Arbeit des Vagusnervs. Und damit das Gefühl von “sich sicher fühlen”

Der Vagusnerv ist der längste unserer zwölf Hirnnerven und ist der grösste Nerv des parasympathischen Systems. Er ist an jeglichen Funktionen unserer inneren Organe beteiligt. Er entspringt am Hirnstamm und wandert durch den Körper, wo er mehrere Organe miteinander verbindet. Die Bahnen des Vagusnerv werden bidirektional angesteuert, wobei 80 Prozent der Informationen, aus dem Körper stammen und zum Gehirn weitergeleitet werden. Der Vagusnerv besteht aus zwei Teilen, den ventralen Teil und dem dorsale Teil, welche in unterschiedliche Bereichen des Körpers unterwegs sind. Vom Zwerchfell aufwärts ist der ventrale Vagus mit dem Herz, der Lunge, dem Rachen und dem Kehlkopf verbunden. Vom Zwerchfell abwärts verbindet der dorsale Vagus Magen, Leber, Milz, Nieren und den Darm. Neben dem reibungslosen Ablauf unserer inneren Organe ist der Vagusnerv u.a. auch massgeblich an unseren Verhaltens- und Reaktionsmuster durch das Erleben von Sicherheit und Verbundenheit beteiligt.

Dr. Stephen Porges widmet sich nun bereits über Jahrzehnte wie das autonome Nervensystem funktioniert. Er hat die Polyvagaltheorie erforscht und entwickelt sie stetig weiter.


Die drei autonomen Zustände des Nervensystem basierend auf der Polyvagaltheorie

In seiner Forschungsarbeit fand Dr. Porges heraus, dass der Vagusnerv, wie bereits oben beschrieben, aus zwei Teilen besteht. Der ventrale Teil, der Sicherheit und Verbundenheit ermöglicht. Und den dorsalen Teil, der aktiviert wird, wenn unser Nervensystem sich arg bedroht fühlt. Folglich kommt es zur Immobilisierung und Auflösung jeglicher Verbindung. Zwischen diesen beiden Zuständen (Sicherheit und Immoblisierung), wird der Sympathikus aktiv, sofern wir einer Herausforderung konfrontiert werden, die es unserem ventralen Nervensystem unmöglich macht, den Zustand der Regulierung aufrecht zu erhalten.


Die drei Prinzipien der Polyvagaltheorie:

Die Polyvagaltheorie basiert auf drei Prinzipien. Dem Prinzip der Hierarchie, dem Prinzip der Neurozeption und dem Prinzip der Co-Regulation

Hierarchie: Unser Nervensystem besitzt nicht nur zwei, sondern drei Schaltkreise, welche hierarchisch wirken, das heisst nach einer vorgegebenen Reaktionskette aktiviert werden.

Lebensgefahr: dorsale Vagus ist aktiv.

Gefahr: Sympathikus ist aktiv.

Sicherheit: ventrale Vagus ist aktiv.

Neurozeption: Dies ist ein von Dr. Stephen Porges geprägter Begriff und beschreibt die Fähigkeit unseres Nervensystems, wie es auf Reize von aussen, im Körper oder auch im Kontakt zwischen den Menschen reagiert. Es ist eine Art inneres Bewachungssystem , dass innen, aussen und im Bereich dazwischen nach Signalen für Sicherheit und Gefahr sucht. Dies geschieht ohne Mitwirkung des Bewusstseins.

Co-Regulation: Unser Nervensystem sendet und sucht nach Signalen für Sicherheit, um in Verbindung zu treten. Dabei haben wir ein biologisch basiertes Bedürfnis nach Verbundenheit. Bereits als Baby wird unser Nervensystem durch unsere Beziehungen geprägt. In einer gesunden Mutter-Kind-Beziehung befinden sich das autonome Nervensystem der Mutter und des Kindes im steten Austausch und übermitteln einander laufend Signale für Sicherheit. Die Fähigkeit, dass sich das Baby von seiner Mutter regulieren lassen kann, ist entscheidend für eine gesunde Entwicklung des autonomen Nervensystems. Auch bei uns Erwachsenen spielt die Co-Regulation eine wichtige Rolle, ob wir uns mit anderen Personen (dem Partner, der Freundin, dem Arbeitskollege, etc.) wohlig fühlen und somit gesunde Beziehungen führen, die uns nähren und entspannen.

Quelle: Deb Dana: Flipchart Polyvagal-Theorie


All dies Wissen rund um das Thema autonomes Nervensystem hilft uns dabei zu erfahren, warum es so zentral für uns ist, in welchem Zustand wir uns befinden. Denn rein aus evolutionsbiologischer Sicht war es sehr bedeutsam, am Feuer zu entspannen und uns zu generieren. Zu kämpfen oder zu flüchten, wenn der Säbelzahntiger um die Ecke bog. Und unser Nervensystem in einen Shut-Down zu bewegen, wenn du Situation zu lebensbedrohlich wurde.

In der heutigen Zeit haben wir zwar andere Herausforderungen, aber unser Nervensystem reagiert immer noch wie damals. Da können schon bestimmte Verhaltensweisen von unseren Kindern in unserem Alltag dazu führen, dass wir uns in einem lebensbedrohlichen Zustand wiederfinden. Deswegen ist es so bedeutsam, zu erkennen, wo wir uns in der Hierarchie des Nervensystems befinden. Um dann zu schauen, wie wir uns wieder in den Zustand von Sicherheit zurück regulieren können. Um wieder in Kontakt mit uns selbst und unseren Liebsten zu bringen. Denn dann entsteht wieder das Gefühl von sicher sein. Und dies ist die Grundlage um frei zu sein.

Weiterführende Informationen und Literatur zur Polyvagaltheorie findet ihr auf www.polyvagal-akademie.com

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Co-Regulation - überlebenswichtig für unsere Kinder und nährend für uns Selbst.

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Blogeintrag: Was ist Neuro-Coaching?